Yesterday's Future J. Scriba

In einem neuen Licht

Als mir Jürgen Scriba das Konzept zu „Yesterday’s Future“ das erste Mal vorstellte, war ich überrascht. Dass jemand aus der Physik in die Kunst wechselt, ist ja schon ungewöhnlich genug, aber dass er nun glaubte, in unseren Kellern Kunstobjekte entdecken zu können, war für viele in unserem Haus zunächst eine ziemlich eigenartige Idee.
Ob ein Ausstellungsmacher Objekte „schön“ findet, bemisst sich normalerweise an Kriterien wie der technikhistorischen Relevanz, der Seltenheit oder konstruktiver Besonderheiten, die oft nur der Fachmann zu würdigen weiß. Die Exponatarchive sind für uns schmucklose Arbeitsplätze, Lager für Rohmaterial, aus denen glanzvolle Ausstellungstücke erst durch die Tätigkeit der Kuratoren hervorgehen. Das Sammeln kulturhistorischer Schätze aus Technik und Wissenschaft, objektbezogene Forschung und Ausstellung als Voraussetzung für die Kommunikation von Wissenschaft und Technik ist der Bildungsauftrag des Deutschen Museums seit seiner Gründung durch Oskar von Miller im Jahre 1903. Als Forschungsmuseum publizieren wir Objekte im Kontext und keine zufälligen Fundstücke. Fotos dienen uns als Illustrationen, ein Fotobuch fast ohne Text, das hatte es bei uns noch nicht gegeben.
Der Künstler hat uns die Augen geöffnet: In den sonst der Öffentlichkeit verborgenen Räumen erschafft der Prozess des Jahrhunderte währenden Sammelns und Lagerns tatsächlich Konstellationen von seltsamer Anmut, zufällige Skulpturen und unbeabsichtigte Installationen. Als die ersten Bilder fertig waren und das Buch allmählich Gestalt annahm, war ich erneut überrascht, die mir vermeintlich so vertrauten Orte in einem ganz neuen Licht gezeigt zu bekommen.
Prof. Dr. rer. nat. Wolfgang M. Heckl
Generaldirektor des Deutschen Museums
Scribas Bilder sind nicht nur ästhetische Metaphern für das Vergehen der Zeit, sie machen auch klar, wie wichtig die Arbeit eines Museums wie des unseren ist, in einer Gegenwart der sekündlich neu konfigurierten Datenströme und ständig in Aktualisierung begriffenen Datenbanken das Jetzt in Form von ganz konkreten physischen Objekten fassbar zu machen.
Auch wenn Scriba sich der museumspädagogischen Sicht der Dinge ganz bewusst verweigern wollte, so hat er doch gleichzeitig ein historisches Dokument geschaffen: Die Exponatarchive, wie Sie sie in diesem Buch sehen können, sind selbst schon wieder Geschichte. Große Bereiche werden derzeit im Rahmen der umfassenden Sanierungsmaßnahmen auf der Museumsinsel geräumt. Verpackt und in Außendepots gelagert, werden viele der Exponate für die nächsten Jahre nicht einmal dem Auge des Fachmanns unmittelbar zugänglich sein.
Erst in unserem modernen Exponat-Archiv-Neubau, den wir im Rahmen der Zukunftsinitiative des Deutschen Museums verwirklichen wollen, werden die Objekte dann wieder in neuem Glanz als Teil der Forschungsinfrastruktur, die wir für die Gesellschaft bereithalten, zu sehen sein. Das allgemeine Publikum wird darüber hinaus in einem Schaulager Einblick in die Arbeit hinter den Ausstellungen nehmen können. Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass Sie dort in Zukunft einige der hier gezeigten Technik-Kunstobjekte wiederentdecken können.