Yesterday's Future J. Scriba

Was machst du denn hier?

Steckte das Nokia 2110 nicht gerade noch in meiner Hosentasche? Jetzt liegt der treue Begleiter in der Gruft, ein Anhängeetikett ist um sein Gehäuse geknotet: Inv.-Nr. 2001-797, dazu dürre Lebensdaten, Maße und Gewicht.
Seine Kumpel von Siemens sind auch da und sein Konkurrent von Motorola, Inventarnummer 2001-1042. Die Anhänger erinnern an TV-Serien aus der Anatomie, das kalte Leuchtstofflicht wirkt anheimelnd wie in einem Kühlhaus.
stacks_image_F5A829BA-685C-456B-810B-AD4C0E6815CB
Immerhin: Diesen Handys blieb die Entsorgung als Elektroschrott erspart – die Inventarnummer adelt sie: Sie sind im Begriff, vom simplen Gebrauchsgegenstand zum Zeitzeugen zu reifen.

Wie lang diese Existenz währt, entzieht sich der Vorhersage. Um die tausend Objekte füllen jedes Jahr die Zeitspeicher auf. Doch die großen Ausstellungen werden im Schnitt nur alle 20 Jahre überarbeitet. So ruht der Tag für Tag bestaunte Bestand von etwa 15 000 Schaustücken auf einem Fundament von etwa 70 000 unsichtbaren Exponaten.
stacks_image_2DD2DD1E-4612-4782-892F-F2A32A4221E7